Kämpfe mit uns für den Erhalt der Archäologien an der HU Berlin! 

Seit 1810 ist die Archäologie Teil der Humboldt-Universität. Wir Studierende setzen uns gegen die Schließung ein.

Stellungnahme zum Fakultätsratsbeschluss zur Schließung des Instituts für Archäologie

Gehalten von Lloyd Arbogast (Faschschaft Klassische Archäologie) im Namen der Studierenden während der Fakultätsratssitzung vom 17.06.2026.


Sehr geehrte Mitglieder des Fakultätsrats, 
Ich spreche heute für die Studierenden des Instituts für Archäologie. In den vergangenen Monaten haben wir erlebt, wie über die Zukunft unseres Instituts und unserer Fächer diskutiert wurde. Was uns dabei besonders getroffen hat, ist nicht nur die Aussicht auf die Schließung selbst, sondern auch die Art und Weise, wie diese Entscheidung innerhalb der Fakultät behandelt wurde. 
Unser Institut hat eine engagierte und aktive Studierendenschaft, für die die Schließung mit Auslaufen der Studiengänge das Ende bedeutet. Wir können Ihnen versichern, dass der Fachschaftsrat durch diese Entscheidung aussterben wird, und so auch ein Safespace für die vielen queeren Studierenden, die bei uns einen Raum bekommen. Eben diesen Studierenden wird die Nähe zu Museen und Projekten genommen, und auch die Möglichkeit, sich dort zu beweisen, ohne mit Vorurteilen konfrontiert zu sein. Wir haben mittlerweile verstanden, dass wir alle unser Studium noch beenden können. Aber die Strukturen, von denen wir in unserem Studium profitieren konnten und die seit Generationen Studierender bestehen, werden nicht bestehen bleiben. Für uns geht es heute nicht um Haushaltszahlen, sondern um einen Studienort, unseren Safespace, um Perspektiven und um die Zukunft des Fachs, das wir mit Überzeugung studieren.

Immer wieder hören wir die Sorge vor einem „Kannibalismus“ innerhalb der Fakultät. Von dem Unwohlsein damit, über das kannibalisiert werden des eigenen Instituts zu sprechen, wenn eine Stelle auf dem Spiel steht. Genau das erleben wir gerade. Und wir fühlen uns auch unwohl damit, wie unsere „Kannibalisierung“ als beschlossene Sache behandelt wird und wie wir hier darum betteln müssen, uns doch noch irgendeinen Teil von unserem Ganzen zu lassen. Von uns wurde erwartet, unsere eigene Kannibalisierung hinzunehmen, als mit kleinstes Glied in dieser Kette, und Sie alle schauen dabei zu. Während an anderen Instituten bereits die Diskussion über mögliche Einschnitte als unzumutbar empfunden wird, wird die vollständige Schließung unseres Instituts als hinnehmbare Lösung behandelt. Als das „geringere Übel“.

Besonders enttäuschend ist dabei, dass alternative Sparmodelle offenbar von vornerein kaum eine ernsthafte Chance erhalten haben: sie wurden ja nicht einmal vom Dekanat vorgestellt. Uns wurde die Schließung als faktisch fertige Lösung präsentiert. Die Fakultät hätte hier gemeinsam ein Zeichen für den Erhalt auch der kleineren Fächer setzen können. Stattdessen entstand für viele Studierende der Eindruck, dass man erleichtert war, eine Lösung gefunden zu haben, die die eigenen Strukturen zunächst eher verschont. In der letzten Sitzung wurde beinahe verzweifelt der Vorschlag eingebracht, ob man denn nicht darüber abstimmen könnte, gar nicht erst über den Alternativvorschlag abzustimmen. Als dieser dann zurückgezogen wurde, wurde sich erst einmal schön bei allen Beteiligten bedankt, dass die Schließung unseres Instituts hier nun durchgewunken werden kann und die Archäologie unter der Höchstlast der Kürzungen fällt.

Doch niemand sollte glauben, dass diese Entscheidung folgenlos bleibt. Wenn heute ein Institut geschlossen wird, dann wird damit auch ein Signal gesendet. Die Schließung von Instituten ist in Berlin scheinbar ein akzeptables Mittel. Dieses Signal aus der Hauptstadt wird auch außerhalb dieses Raumes wahrgenommen werden. Wer heute zustimmt, sollte sich bewusst sein, dass damit eine Tür geöffnet wird, die sich zukünftig auch für andere Institute öffnen kann, Als Studierende fragen wir uns deshalb: was bedeutet Solidarität in dieser Fakultät eigentlich noch? Was bedeutet Verantwortung für kleine Fächer? Und was bedeutet die Verantwortung gegenüber Studierenden, deren Zukunft hier entschieden wird?

Archäologie ist kein beliebiges Fach. Gerade in einer Zeit, in der Geschichtsrevisionismus, Wissenschaftsfeindlichkeit und autoritäre Ideologien wieder an Einfluss gewinnen, sind Fächer wichtig, die sich kritisch mit Vergangenheit, materieller Kultur und historischer Erinnerung auseinandersetzen. Die Arbeit in unseren Sammlungen, in der Forschung und in der Lehre trägt dazu bei, Geschichte wissenschaftlich zu bewahren und gegen ihre politische Instrumentalisierung zu verteidigen.

Viele Studierende werden die heutige Entscheidung nicht nur inhaltlich bewerten. Sie werden sich auch erinnern, wie mit ihnen umgegangen wird und wie viel Unterstützung sie von dieser Fakultät erfahren haben, und wie ihre Institute die Wertigkeit anderer im Vergleich zu ihrer eigenen bewerten. Unsere Studierendenschaft sieht in den hier anwesenden Verantwortlichen, ausgenommen dem IKB, keine Motivation, kleine Fächer zu unterstützen oder auch die Zukunft der Studierenden positiv mitzugestalten.

Und auch Sie sollten sich daran erinnern, wie das hier abgelaufen ist. Auch wir dachten nach der letzten Sparrunde, in der wir so heruntergekürzt wurden dass es jetzt sogar noch einfacher ist uns zu streichen, dass wir sicher sind. Sehen sie und behalten Sie sich im Gedächtnis, wer heute mit Ihnen, und im Ernstfall ganz bestimmt auch gegen Sie abstimmt. 


Wir kämpfen für unser Institut!

Seit 1810 ist die Archäologie Teil der Humboldt-Universität und prägt Forschung, Lehre und das kulturelle Verständnis weit über Berlin hinaus.
Wir setzen uns dafür ein, dass unsere traditionsreichen Fächer auch in Zukunft bestehen bleiben – für kommende Generationen von Studierenden, für die Wissenschaft und für das kulturelle Gedächtnis unserer Gesellschaft. 

Initiative Archäologie HU Berlin

Wir sind die Fachschaft Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas sowie die Fachschaft der Klassischen Archäologie des Instituts für Archäologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Gemeinsam setzen wir uns für den Erhalt der archäologischen Fächer an der HU Berlin ein.
Die geplante Schließung bedroht nicht nur Studiengänge und Forschung, sondern auch über 200 Jahre wissenschaftliche Tradition an der Humboldt-Universität.
Mit dieser Initiative möchten wir informieren, sichtbar machen und Menschen zusammenbringen, die sich für den Fortbestand der Archäologien an der HU engagieren möchten.

Hier sind Möglichkeiten, wie ihr uns unterstützen könnt:

Öffentlicher Druck

Jede öffentliche Erwähnung erhöht den politischen Druck auf die Humboldt-Universität und den Berliner Senat.
Deshalb:

  • Teilt unsere Beiträge auf Instagram
  • Sprecht über die geplante Schließung auf Social Media 


Instagram:
@fsi_aknoa_huberlin
@fsr_klassiche_archaeologie_hu

Politiker*innen und Hochschulgremien anschreiben

Zeigt den Entscheidungsträger*innen, dass ihr hinschaut. Die geplante Schließung des Instituts für Archäologie ist eine politische Entscheidung – und politischer Druck kann diese Entscheidungen verändern. 

Wendet euch direkt an die Verantwortlichen:

Kommt zu den Veranstaltungen

Die geplante Abwicklung des Instituts für Archäologie darf nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden.
Kommt zu den Sitzungen des Akademischen Senats (AS) und des Fakultätrats und zeigt, dass wir Studierende, Wissenschaftler*innen und Unterstützer*innen diese Entscheidung nicht akzeptieren.

Warum die Schließung?

Die Humboldt-Universität begründet die geplante Neuaufstellung der Archäologien mit den massiven Sparvorgaben des Landes Berlin. In den kommenden Jahren muss die HU im akademischen Bereich rund 8 Millionen Euro einsparen.  Davon sollen 1,5 Millionen Euro jährlich an der Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät eingespart werden. 

Nach Angaben der Universitätsleitung kann das Institut für Archäologie in seiner heutigen Struktur langfristig nicht weitergeführt werden. Geplant ist stattdessen die Entwicklung eines neuen „Instituts für Altertumswissenschaften“, das ab Mitte der 2030er Jahre die bisherigen Strukturen ersetzen soll. 

Die HU betont zwar, dass archäologische Forschung und Lehre weiterhin bestehen bleiben sollen. Gleichzeitig würden jedoch bestehende Fachbereiche, gewachsene Strukturen und Teile der heutigen archäologischen Ausrichtung wegfallen oder stark verändert werden

Für uns steht deshalb nicht nur eine organisatorische Veränderung im Raum, sondern der mögliche Verlust eines über 200 Jahre gewachsenen Wissenschaftsstandorts.