Archäologie seit über 200 Jahren an der HU Berlin
Seit der Gründung der Berliner Universität im Jahr 1810 gehört die Archäologie zu den ältesten wissenschaftlichen Disziplinen der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin. Über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg wurde hier Forschung betrieben, gelehrt, ausgegraben und Wissenschaftsgeschichte geschrieben.
Bedeutende Archäologen und Ägyptologen wie Aloys Hirt, Eduard Gerhard, Carl Richard Lepsius, Ernst Curtius oder Reinhard Kekulé von Stradonitz prägten die Entwicklung der Archäologien weit über Berlin hinaus und machten die Humboldt-Universität zu einem international bedeutenden Standort der Altertumswissenschaften.
Bis heute stehen die Archäologien an der HU für die Verbindung aus Forschung, Feldarbeit, kultureller Analyse und moderner Wissensvermittlung. Studierende arbeiten an Ausgrabungen, Forschungsprojekten, digitalen Rekonstruktionen und wissenschaftlichen Publikationen mit und beschäftigen sich mit den materiellen Zeugnissen vergangener Kulturen – von der griechisch-römischen Antike bis zu den Kulturen des Sudan und des Alten Ägyptens.
Besonders einzigartig ist die jahrzehntelange Sudanforschung der Humboldt-Universität. Seit den 1950er Jahren forscht die HU im Sudan und ist bis heute an bedeutenden Grabungsprojekten beteiligt, unter anderem in Musawwarat es-Sufra, einem UNESCO-Weltkulturerbe. Mit der Sudanarchäologischen Sammlung und dem zugehörigen Grabungsarchiv verfügt die HU über einen in Deutschland einzigartigen Forschungsstandort.
Die geplanten Umstrukturierungen gefährden damit nicht nur einzelne Studiengänge, sondern einen über 200 Jahre gewachsenen Wissenschaftsstandort, dessen Forschung, Sammlungen und Expertise in dieser Form einzigartig sind.
Bedeutende Archäologen an der HU Berlin über die Jahrhunderte
Johann Joachim Winckelmann
1717–1768
Geistiger Begründer der Klassischen Archäologie und Namensgeber des Winckelmann-Instituts (heute umbenannt in Institut für Archäologie).
Aloys Hirt
1759–1837
Mitbegründer der Berliner Archäologie und einer der ersten Professoren der 1810 gegründeten Universität Berlin.
Eduard Gerhard
1795–1867
Prägte die wissenschaftliche Archäologie in Berlin und gründete den Archäologischen Apparat.
Karl Richard Lepsius
1810–1884
Gilt als Gründer der modernen Ägyptologie.
Ernst Curtius
1814–1896
Weltbekannt durch die Ausgrabungen im antiken Olympia.
Reinhard Kekulé von Stradonitz
1839–1911
Einer der bedeutendsten Klassischen Archäologen Europas.
Adolf Ermann
1853–1937
Begründer der Berliner Schule der Ägyptologie.
Leiter des Projekts des Wörterbuch der ägyptischen Sprache.
Kurt Sethe
1869–1934
Arbeitete an der Erstellung des Wörterbuchs der ägyptischen Sprache.
Ludger Alscher
1913–1998
Prägte die Archäologie an der Humboldt-Universität nach dem Zweiten Weltkrieg.
Steffen Wenig
1934–2022
Prägte die Sudanarchäologie an der Humboldt-Universität.
Initiierte die Gründung der Sudanarchäologischen Gesellschaft zu Berlin.